von Willi Brase

Das zeitliche Korsett des Alltags

Bürgerstiftung

Patenschaftsprojekt der Bürgerstiftung München. (Foto: Aktive Bürgerschaft)

Während in den USA bereits vor gut einhundert Jahren die erste Bürgerstiftung gegründet wurde, entstanden Ende der 90er-Jahre die ersten Modelle in Gütersloh und Hannover. Seitdem steigt die Zahl stetig: Heute sind es zwischen 350 und 380. Grund genug, Sachverständige zum Thema in den Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement in den Deutschen Bundestag einzuladen.

Mit dabei waren Bernadette Hellmann von der Stiftung Aktive Bürgerschaft und Ulrike Reichart von der Initiative Bürgerstiftung - beides Unterstützungsorganisationen. Eingeladen waren außerdem Roland Löffler von der Herbert Quandt-Stiftung sowie Sieghard Schramm von der Bürgerstiftung „Beherzte Menschen“.

Unabhängig und autonom

Nur 275 Bürgerstiftungen tragen das Gütesiegel des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen. Dieses ist nicht unerheblich, da der Begriff Bürgerstiftung – wie auch der Begriff Stiftungen an sich – rechtlich nicht geschützt werden kann. Die Mitglieder des Arbeitskreises Bürgerstiftungen haben 2000 die zehn Merkmale einer Bürgerstiftung verabschiedet. Demnach ist sie unter anderem eine unabhängige, gemeinnützige und autonom handelnde Stiftung von Bürgern für Bürger, die sich nachhaltig und dauerhaft vor Ort engagiert.

Ihr Ziel ist es, bürgerschaftliches Engagement zu unterstützen. Bürgerstiftungen verstehen sich als „Element einer selbstbestimmten Bürgergesellschaft“. Wichtig ist auch die politische und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Die Beantragung des Gütesiegels ist freiwillig, was die oben ersichtliche Differenz in den Zahlen begründet.

Modell fürs Lokale

Bürgerstiftungen scheinen sich zunehmend als Form des zeitgemäßen Engagements zu etablieren. Viele Menschen wollen oder können sich schon aufgrund enger zeitlicher Korsetts im Alltag nicht mehr langfristig engagieren. Das ist ein Trend, unter dem die Sportvereine zum Beispiel besonders ächzen. Viele Vorstände können nicht mehr dauerhaft besetzt werden, es mangelt an Kinder- und Jugendtrainern.

Unter dem Dach einer Bürgerstiftung ist ein punktuelles, zeitlich begrenztes Engagement vor Ort möglich. Denn neben der finanziellen Beteiligung als Stifter, kann man sich auch mit Zeit und Ideen in eine Bürgerstiftung einbringen. Bürgerstiftungen sind ein Modell, um bürgerschaftliches Engagement auf lokaler Ebene zu verankern.

Das derzeit niedrige Zinsniveau belastet besonders die Finanzen kleinerer Bürgerstiftungen. Die Zinserträge geben kaum Raum, um große Sprünge zu machen. Oft müssen für Vorhaben noch zusätzliche Mittel akquiriert werden. Trotz allem ist es den Bürgerstiftungen in 2013 durch mehr Zustiftungen und Spenden gelungen, ein Wachstum zu verzeichnen.

Alle Beiträge des Bundestagsabgeordneten Willi Brase lesen Sie hier.

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